Gewichtszunahme in den Wechseljahren: Welche Rolle spielt Insulinresistenz?

Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren, dass sich ihr Körper verändert. Das Gewicht steigt langsam an und vor allem am Bauch lagert sich Fett leichter an als früher. Oft passiert das, obwohl sich an der Ernährung oder am Bewegungsverhalten kaum etwas geändert hat. Sie versuchen daraufhin, weniger zu essen oder mehr Sport zu treiben – häufig mit mäßigem Erfolg.

Dabei wird die Gewichtszunahme meist als kosmetisches Problem betrachtet. Tatsächlich kann sie jedoch ein Hinweis auf Veränderungen im Stoffwechsel sein.

Eine wichtige Rolle spielt dabei Insulinresistenz. Sie entwickelt sich häufig schleichend und bleibt lange unbemerkt. Gleichzeitig gilt sie als Vorstufe des Typ-2-Diabetes und kann das Risiko für weitere Stoffwechselerkrankungen erhöhen.

Deshalb geht es bei diesem Thema nicht in erster Linie um das Körpergewicht. Viel wichtiger ist die Frage, was die Veränderungen über die Stoffwechselgesundheit aussagen und wie sich eine Insulinresistenz frühzeitig erkennen und positiv beeinflussen lässt.

Warum verändert sich der Stoffwechsel in den Wechseljahren?

Mit den Wechseljahren verändern sich Fettverteilung, Stoffwechsel und Insulinempfindlichkeit. Studien zeigen, dass die hormonellen Veränderungen der Menopause mit einer veränderten Fettverteilung, einer Zunahme des Bauchfetts und einem erhöhten Risiko für metabolische Veränderungen verbunden sind.

Viele Frauen bemerken in dieser Zeit:

  • eine Gewichtszunahme

  • mehr Fettansammlung im Bauchbereich

  • Heißhunger auf Süßes oder Kohlenhydrate

  • Müdigkeit nach dem Essen

  • geringere Belastbarkeit

  • Schwierigkeiten beim Abnehmen

Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Muskelmasse häufig abnimmt. Da Muskeln wichtige Verbraucher von Glukose sind, kann sich dies zusätzlich auf den Stoffwechsel auswirken.

Eine Frau schaut in die Ferne

Was ist Insulinresistenz?

Insulin ist ein Hormon, das in der Bauchspeicheldrüse produziert wird. Es sorgt dafür, dass Zucker aus dem Blut in die Körperzellen gelangt und dort als Energie genutzt werden kann.

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Zellen weniger empfindlich auf Insulin. Der Körper muss deshalb immer größere Mengen produzieren, um den Blutzucker stabil zu halten.

Über Jahre hinweg können erhöhte Insulinspiegel dazu führen, dass:

  • mehr Fett gespeichert wird

  • der Appetit zunimmt

  • Heißhunger entsteht

  • Entzündungsprozesse gefördert werden

  • das Risiko für Typ-2-Diabetes steigt

Welche Symptome können auf eine Insulinresistenz hinweisen?

Nicht jede Frau mit Gewichtszunahme hat automatisch eine Insulinresistenz. Es gibt jedoch einige Hinweise, die auf eine verminderte Insulinempfindlichkeit hindeuten können:

  • zunehmendes Bauchfett

  • Müdigkeit nach den Mahlzeiten

  • starke Gelüste auf Süßes

  • Energietiefs am Nachmittag

  • Schwierigkeiten beim Abnehmen

  • erhöhte Nüchternblutzuckerwerte

  • erhöhte Triglyceride

  • Bluthochdruck

Wenn mehrere dieser Faktoren zusammentreffen, sollte das ärztlich abgeklärt werden. In der Praxis wird oft der sogenannte HOMA-Index verwendet, um frühzeitig Veränderungen im Zucker- und Insulinstoffwechsel zu erkennen und Entwicklungen im Verlauf zu beobachten. Es ist ein Wert aus Blutzucker und Insulin im nüchternen Zustand, der zeigt, wie gut der Körper auf Insulin reagiert und ob Hinweise auf eine Insulinresistenz bestehen.

Wichtig ist dabei: 

Nicht jede Frau mit Mehrgewicht oder Gewichtszunahme ist automatisch insulinresistent. Umgekehrt können auch nicht mehrgewichtige Frauen eine Insulinresistenz entwickeln.

Das Körpergewicht allein sagt daher nur wenig über die Stoffwechselgesundheit aus. Entscheidend ist vielmehr, wie der Körper auf Insulin reagiert und ob weitere Risikofaktoren oder Symptome vorliegen.

Gerade in den Wechseljahren kann es sinnvoll sein, den Stoffwechsel genauer zu betrachten – unabhängig davon, ob du mehrgewichtig oder normalgewichtig bist.

Warum steigt das Risiko in den Wechseljahren?

Die genauen Zusammenhänge sind komplex. Es wird jedoch angenommen, dass mehrere Faktoren zusammenwirken.

Sinkende Östrogenspiegel

Östrogen beeinflusst die Insulinempfindlichkeit der Körperzellen. Mit sinkendem Östrogenspiegel kann die Reaktion auf Insulin nachlassen. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass die hormonellen Veränderungen der Menopause zur Entwicklung einer verminderten Insulinempfindlichkeit beitragen können.

Schlafstörungen

Viele Frauen schlafen während der Wechseljahre schlechter. Schlafmangel kann die Blutzuckerregulation beeinträchtigen und Heißhunger fördern.

Chronischer Stress

Anhaltender Stress erhöht die Ausschüttung von Stresshormonen. Diese können langfristig die Insulinempfindlichkeit verschlechtern.

Weniger Muskelmasse

Muskeln sind wichtige Verbraucher von Glukose. Geht Muskelmasse verloren, kann sich dies negativ auf den Zuckerstoffwechsel auswirken.

Was kannst du selbst für deinen Stoffwechsel tun?

Die gute Nachricht ist: Bereits relativ kleine Veränderungen können sich positiv auf die Insulinempfindlichkeit auswirken.

Ausreichend Eiweiß essen

Eiweiß trägt zum Erhalt der Muskelmasse bei und sorgt für eine bessere Sättigung.

Krafttraining integrieren

Regelmäßiges Krafttraining verbessert unter anderem die Insulinempfindlichkeit und unterstützt den Erhalt von Muskelmasse.

Blutzuckerschwankungen reduzieren

Iss Mahlzeiten mit ausreichend Eiweiß, Gemüse und ballaststoffreichen Kohlenhydraten. Das kann helfen, starke Blutzuckeranstiege zu vermeiden.

Auf guten Schlaf achten

Schlaf gehört zu den wichtigsten Faktoren für einen gesunden Stoffwechsel.

Stress reduzieren

Entspannung, Bewegung, Zeit in der Natur oder andere Methoden zur Stressregulation können dein hormonelles Gleichgewicht unterstützen.

Wie betrachtet die Chinesische Medizin Stoffwechselveränderungen in den Wechseljahren?

Die Chinesische Medizin verwendet andere Erklärungsmodelle als die moderne Stoffwechselmedizin. Dennoch lassen sich viele Beschwerden, die Frauen in den Wechseljahren erleben, auch aus Sicht der Chinesischen Medizin nachvollziehen.

Im Mittelpunkt stehen dabei nicht einzelne Laborwerte, sondern das gesamte Beschwerdebild. Symptome wie Erschöpfung, Schlafstörungen, Heißhunger, Verdauungsbeschwerden, Hitzewallungen oder innere Unruhe werden in ihrem Zusammenhang betrachtet.

Je nach individueller Situation können unterschiedliche Muster vorliegen. Deshalb wird die Behandlung immer auf die einzelne Patientin abgestimmt.

Akupunktur und chinesische Arzneimitteltherapie in den Wechseljahren

In meiner Praxis für Akupunktur und Chinesische Medizin in Berlin-Neukölln begleite ich regelmäßig Frauen in den Wechseljahren.

Ich setze Akupunktur und chinesische Kräutertherapie häufig ein, um Beschwerden wie Schlafstörungen, Hitzewallungen, innere Unruhe, Erschöpfung oder Stress zu begleiten. Da diese Faktoren eng mit dem Stoffwechsel verbunden sind, kann eine individuelle Behandlung dazu beitragen, das allgemeine Wohlbefinden zu unterstützen.

Ziel meiner Behandlung ist nicht in erster Linie die Gewichtsabnahme. Vielmehr steht die Unterstützung deines hormonellen und metabolischen Gleichgewichts im Vordergrund.

Fazit

Gewichtszunahme in den Wechseljahren sollte nicht vorrangig als Frage des Aussehens betrachtet werden sondern kann darauf hinweisen, dass sich Stoffwechselprozesse verändern und die Insulinempfindlichkeit abnimmt.

Insulinresistenz ist ein wesentlicher Bestandteil der Entstehung von Prädiabetes und Typ-2-Diabetes.

Eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein guter Umgang mit Stress können dazu beitragen, die Insulinempfindlichkeit positiv zu beeinflussen.

Wenn du Unterstützung bei Insulinresistenz und weiteren Wechseljahresbeschwerden suchst, begleite ich dich gerne in meiner TCM-Praxis in Berlin-Neukölln.
Gemeinsam schauen wir, welche Faktoren zu deinen Beschwerden beitragen und welche Behandlungsmöglichkeiten für dich sinnvoll sein können.

Quellen:
¹
Kander MC, Cui Y, Liu Z., International Journal of Endocrinology, 2015
Metabolic Disorders in Menopause.
² National Institute of Diabetes and Digestive and Kidney Diseases (NIDDK)
Insulin Resistance & Prediabetes.

 

FAQ

  • Ja. Ernährung spielt zwar eine wichtige Rolle, aber auch hormonelle Veränderungen, Schlafmangel, Stress, Bewegungsmangel und der Verlust von Muskelmasse können die Insulinempfindlichkeit beeinflussen.

  • Bei einer Insulinresistenz produziert der Körper zunächst noch ausreichend Insulin, die Zellen reagieren jedoch schlechter darauf. Wird dieser Zustand über Jahre nicht ausgeglichen, kann sich daraus ein Typ-2-Diabetes entwickeln.

  • Nein. Gewichtszunahme kann viele Ursachen haben. Wenn zusätzlich Symptome wie Heißhunger, Müdigkeit nach dem Essen oder erhöhte Blutzuckerwerte auftreten, kann eine Insulinresistenz jedoch eine mögliche Erklärung

 
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